Simon rockt den Strauss

Noch einen Schluck aus der Wasserflasche, dann setzt Simon sein Horn an und spielt seinen ersten Einsatz zum Waldhornkonzert Nr. 1 von Richard Strauss. Soeben haben die Musikerinnen und Musiker der Bürgerkapelle den Eröffnungsakkord zu diesem bekannten Werk gespielt, dann ist der junge Musiker mit seinem Waldhorn auf sich alleine gestellt. Keine Stütze von hinten, nur er und sein Horn. Mit sattem Ton trällert er das erste Signal, bevor das Orchester wieder einsetzt. Die Bürgerkapelle ist in der Schlussphase zur Vorbereitung des großen Kirchenkonzertes kommendes Wochenende. Neben klassischen Werken von Mussorgski aber auch Filmmusik von John Williams steht dieses Hornkonzert auf dem Programm. Doch wie kam es dazu? Letztes Jahr trat Simon Breyer mit diesem Werk zum Wettbewerb „Jugend musiziert“ an und holte sich dort einen ersten Preis. Damit sich der Aufwand auch lohnt und um den Musiker weiter zu fordern, schlug sein Lehrer und Dirigent des Ensembles, Florian Keller vor, das Werk nochmals mit großem Orchester aufzuführen. Virtuosität ist gefragt, wenn die Finger des 16-jährigen über die Ventile huschen… und an den Ventilen ist Simon froh, denn das Werk wurde einst für das ursprünglich ventillose Waldhorn geschrieben, wie in der Literatur zu lesen ist. Auch für das Orchester ist das Werk eine Herausforderung. Laut und brachial spielen kann jeder, aber dieses Stück erfordert eine leichte kammermusikalische Unterstützung ohne den Solisten zu übertönen. Viele Passagen sind so transparent, da kann sich keiner hinter dem anderen verstecken.

 

Lernte Richard Strauss bei seinem Vater Franz Strauss das Hornspielen, so liegt das Musizieren auch in Simons Familie: sein Vater spielt ein paar Stühle rechts von ihm das Tenorhorn, der Bruder schräg hinter ihm die Posaune und seine Schwester links von ihm das Saxophon. „Zur Zeit übt Simon jeden Tag eine Stunde“ sagt diese „ich kann schon jeden Takt mitsingen“. Wir fragen ihn, welcher der drei Sätze denn sein Lieblingssatz ist „Der letzte!“ „Weil dort die Post abgeht?“ „Ja, und dann ist es bald vorbei“, grinst er verschmitzt. Wird schon klappen – wir drücken die Daumen.